Montag, 19. Februar 2018

DAS GEHEIMNIS DER TODESINSEL (La isla de la muerte 1967 Mel Welles)


Eine Gruppe Touristen ist zu Gast auf der Insel eines ominösen Barons. Dieser hatte aufgrund seiner Forschungen jahrelang keinen Kontakt zu anderen Menschen. Der Mann erforscht und züchtet seltene Pflanzen. Manche sehen lediglich etwas schräg aus, andere haben höchst interessante Eigenschaften. Als ein Tourist nach dem anderen stirbt, dämmert es den Überlebenden langsam, dass der Baron wohl eine seiner Züchtungen bisher verheimlicht hat: eine blutsaugende Palme...


Der Vampir der Pflanzenwelt...

Man kann nicht gerade sagen, dass kleine Änderungen in der Umsetzung von „Das Geheimnis der Todesinsel“ dafür hätten sorgen können, dass das Ergebnis des Streifens qualitativ besser hätte ausfallen können. Das von Mel Welles inszenierte Debutfilmchen, dem nur wenige weitere Werke folgen sollten, darunter aber der charmant bescheuerte „Lady Frankenstein“, ist ein Film der Kategorie „liebevoll gescheitert“, sprich es ist ein Werk das zu gefallen weiß obwohl, bzw. weil er nicht funktioniert, und den man sich viel anders eigentlich gar nicht vorstellen möchte. Es fällt einem ohnehin schwer sich vorzustellen, wie man solch einen lahmen und theoretisch leicht zu besiegenden Gegner hätte bedrohlich darstellen können, da hätte jedwege spannendere Umsetzung ohnehin gegen Windmühlen kämpfen müssen. Aber die Bestie eine Banalität inmitten von vielen sein zu lassen, besitzt schon einen ganz eigenen Reiz, wissen Ernst Ritter von Theumer und Mel Miller, der selbst Ideengeber der Geschichte und Mitautor war, doch nicht wie sie das Füllmaterial bis zur entscheidenden Lüftung aller Geheimnisse halbwegs sinnvoll eingesetzt bekommen - egal ob es um das reine Ablenkungsmaterial geht oder die Randmomente, die mit den Ereignissen auf der Insel tatsächlich direkt zu tun haben.

In einem Wallace-ähnlichen Szenario, in welchem innerhalb der Gruppe ein menschlicher Täter vermutet wird, Anschuldigungen jedoch aus dem Bauch heraus getroffen werden oder aber unterstützt von Vorurteilen, verläuft das innereigene Misstrauen nie parallel sinnvoll zu den tatsächlichen Geschehnissen. Da werden Vorwürfe laut, wenn es nichts mehr zu beweisen scheint, da werden Rückschlüsse gezogen, obwohl naheliegendere präsent sind, da werden Menschen minutenlang rein des Füllmaterials wegen verfolgt, obwohl der Zuschauer über die Unschuld des Verfolgten längst informiert ist und ein zusätzlicher Erzählwert des Gezeigten nicht vorhanden ist. Zwischenmenschliche Situationen wirken aufgedonnert und fehlplatziert im eigentlichen Grundszenario, welches auch bei näherer Betrachtung keinen Sinn ergeben will, und für die Story erforderliche biologische Raffinessen sind freilich pure Fantasy, deren Glaubwürdigkeit nur im Wunderland von Alice für voll genommen würden.

In seiner komplett ernst gehaltenen Art weiß dieser ganze Nonsens auf schusselige Art zu funktionieren. „The Bloodsuckers“ (Alternativtitel) ist ein naives Stück Film, das den Eindruck vermittelt dass Welles zu keiner Zeit bewusst war ein Werk mit zu vielen Schwächen fertiggestellt zu haben. Der wird wahrscheinlich sogar seinen Aufhänger des pflanzlichen Vampirs für irre geglückt gehalten haben, so hypnotisch das Wunderwerk auf seine Opfer wirkt, dass ein Versuch der Flucht gar nicht erst unternommen wird. Bekommen wir es im Finale zu Gesicht, wirkt der Vampirbaum wie ein buntes Halluzinationsgewächs, entlaufen aus einem LSD-Trip. Und dass man den Feind besiegt, indem man ihm eine Axt in den Stamm rammt, ist das konsequenteste was der Film zu bieten hat und sorgt für ein fröhlich dämliches Entlassen aus einem Film der auf seine wirr erzählte, unkonzentriert zusammengeschusterte Art einfach Spaß macht, und dies teilweise an Stellen, die woanders für pure Langeweile gesorgt hätten.

Wo ein „Verhängnisvolle Fracht“ zum Thema bösartige Bäume lediglich Langeweile präsentiert, obwohl er im ersten fruchtbaren Monsterjahrzehnt entstanden ist, da weiß „Man Eater of Hydra“ (Alternativtitel) in seinem 60er Jahre-Look aufgrund skuril-banaler Aufeinandertreffen von Situationen und Personen auf seine ganz eigene Art (nicht) zu funktionieren. Die hier agierenden Menschen leben in einer anderen Wirklichkeit. Sie scheinen aus unserer Realität zu stammen, benehmen sich jedoch wie in einem sinnlosen Alternativuniversum angesiedelt, ohne dass das Präsentierte jedoch der hochgeschaukelten Groteske eines „Die Nacht der blanken Messer“ entspräche. Tristesse trifft auf Unvermögen, Banalitäten auf Ungewöhnliches, Bekanntes auf Widersprüchliches und fertig ist ein unausgegorener Mix aus Grusel-Krimi, Mad Scientist-Horror und Pflanzenvampir-Schnarcher, der in seiner kruden inkompetenten Art in Sachen Charme seinesgleichen sucht.


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Sonntag, 18. Februar 2018

LITTLE DEAD ROTTING HOOD (2016 Jared Cohn)


Eine in den Wäldern lebende alte Dame tötet ihre Enkelin, damit diese als Zombie wieder auferstehen kann, um eine bevorstehende Werwolfplage zu bekämpfen. In der Stadt hat davon freilich keiner eine Ahnung, als sich die Wolfsangriffe auf Menschen häufen...


Rottkäppchen ersteht wieder auf...

The Asylum brachten uns „Sharknado“ und „Mega Piranha“, sehr viel mehr Brauchbares ist dieser Billigfilmschmiede bislang nicht nicht entstiegen. Zu lieblos kommen ihre Produktionen daher, zu billig zurechtgeschludert sind die Ergebnisse zu nennen, die meist nicht einhalten können, was ihre oftmals verlockend schrägen Ideen zu bieten scheinen. Mit „Little Dead Rotting Hood“ bedient man sich der Rotkäppchenthematik, die man mit dem Bereich der Werwolfthematik kreuzt, eine Idee an der sich bereits „Zeit der Wölfe“ versuchte, und schafft damit für Freunde der geringen Erwartungshaltung ein recht unterhaltsames Stück Horrornonsens, welches zwar nur dem Vielseher ohne hohe Ansprüche schmecken wird, damit aber noch immer ein besseres Ergebnis abliefert als für The Asylum typisch.

Man muss diesen Mumpitz als Genrefreund einfach lieben, vorausgesetzt man erwartet keine beeindruckenden Spezialeffekte, eine tatsächlich nennenswert erzählenswerte Geschichte oder gar handwerkliches Talent im Filmbereich. „Little Dead Rotting Hood“ lebt mehr denn je von seiner Dämlichkeit, seiner Dreistigkeit und der überraschend flotten Umsetzung von Regisseur Jared Cohn, der nicht wie einst mit „Attack from Atlantic Rim“ einen Einschläfer kreierte, sondern die vorhersehbare Geschichte passabel umzusetzen weiß, immer schwankend zwischen völlig abgehobenen Ideen und einer Einfallslosigkeit, wie es sie in dieser Extreme nur im amerikanischen TV-Horror zu erleben gibt. Was den Film tatsächlich am Leben hält, ist ein Rätsel, aber es ist sicherlich auch der Vielzahl an Ereignissen geschuldet, dass das Ganze besser funktioniert, als es dies sollte. Hinterfragen darf man hier nichts, weder vor noch hinter der Kamera wird weiter als zwei Schritte gedacht, ein weiterer Schritt und das Kartenhaus zerfällt, welches uns eine filmeigene Logik vorschleiert.

In seiner Naivität ist das Ergebnis auch kaum zu übertrumpfen, funktioniert „Little Dead Rotting Hood“ doch eigentlich eher wegen seines Tierhorror-Anteils, anstatt wegen des Kultes, den man hier krampfhaft versucht zu entfachen. Rotkäppchen ist weder taff, sexy noch verottet genug um als Kulttote etwas herzumachen. Gerade Richtung Schlussszene wirkt sie besonders lächerlich, wenn sie von nun an als Hüterin des Waldes umhergeistern wird, aufgedonnert wie eine Vorstadtschlampe, die optisch so gar nicht dem Waldhüterklischee entsprechen möchte. Zombie trifft auf Superheldin, nichts davon will wirken, aber das betrifft bereits ihr Agieren in der eigentlichen Filmhandlung, sind ihre Auftritte doch nicht gerade aufregend zu nennen, zumal sie ohne menschliche Hilfe nicht einmal an das Schwert gerät, welches ihr überhaupt erst die Macht gibt Werwölfe zu bekämpfen.

Großmutter hat sie ohnehin über nichts unterrichtet. Dass sie ein Schwert benötigt, hat sie nicht gewusst. Das wäre dann eins der vielen Beispiele dafür, dass hier kaum zwei Schritte vorwärts gedacht werden. Man macht etwas und überlegt sich hinterher wie, so wie beispielsweise ein Trupp mutiger Eingeweihter, die in einer Höhle hoffen auf Werwölfe zu treffen, was dann auch passiert. Wie man sich gegen diese zur Wehr setzt, und was man vor Ort eigentlich möchte, außer die Bestätigung zu erhalten, dass der Werwolfsfakt kein Mumpitz ist, wurde zuvor nicht bedacht. Dementsprechend geistlos hüpft „Little Dead Rotting Hood“ von einem Event zum nächsten und überracht dabei mit einer halbwegs interessanten, aber vor allen Dingen überraschend funktionierenden Weiterentwicklung der Geschichte, die zwar unnötig viele Filmfiguren benötigt um ihre simple Idee erzählt zu bekommen, aber definitiv sinnlos zu unterhalten weiß.

Da Verwandlungsszenen und Werwolfanimationen typisch Asylum nicht zu überzeugen wissen, tut man gut daran meist Wolfsattacken zu präsentieren, sind die meisten der hier Werwolf genannten Geschöpfe doch lediglich Menschen, die sich in Wölfe verwandeln, und die weiß Cohn besser in Szene zu setzen, als die Königin der Werwölfe, die dann zum Glück auch erst nach einer völlig unsinnigen Identitätsaufdeckung zum Ende hin per CGI agieren darf. Bis dahin ist man dem Film aber derart wohlgesonnen, dass man sich am lieblosen Aussehen der Kreatur nicht mehr aufhängt. Wer es bis hierher geschafft hat, hat ganz andere Schwächen augenzudrückend hinter sich gelassen, inklusive eines kurzen Leerlaufes zu Beginn des letzten Drittels hin, der fast dafür gesorgt hätte „Little Dead Rotting Hood“ all zu stark auszubremsen. Wie so oft wären 90 Minuten Laufzeit nicht nötig gewesen, 75 hätten dem Gesamtergebnis besser gestanden. Aber zumindest bekommt der Film durch seine actionreiche Umsetzung noch einmal den Bogen, und weiß in seiner völlig meschuggenen Art doch noch bis zum Schluss routiniert genug zu unterhalten.


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BRAINSCAN (1994 John Flynn)


Außenseiter Michael spielt ein neues Computerspiel, welches sich als realistischer herausstellt, als ihm lieb ist...


Virtuelle Scheingrenze

Auf dem Horrorfilmmarkt der 90er Jahre durften auf dem Videomarkt entweder die Monster und Mutanten hemmungslos herumschleimen, oder Sehwerte dieser Art wurden thematisch komplett umgangen. So oder so waren die Ergebnisse meist kunterbunter Natur, verspielt in ihrer Art, nicht mehr auf wahren Grusel oder Terror setzend, sondern die Erwartungen des Stammpublikums bedienend, welches den Spaß am Genre als Hauptevent empfand und in Horrorwerken eher den zu Fleisch gewordenen Halloween-Gag sah. Dass dieser makabere Spaß auch recht harmlos daher kommen durfte, zeigt „Brainscan“, der sich an den Pubertätsphantasie softer Außenseiter orientiert und diesen Bereich gar mehr zu bedienen scheint, als dem des Horrors. Zumindest zeigt diese Vorgehensweise jedoch auch, wie wichtig einem der Hauptcharakter des Streifens war, der dann auch gleich mit Publikumsliebling Edward Furlong besetzt wurde, bevor dieser mit seinen Drogenexzessen sein Image zerstörte.

Der spielt den zurückgezogen lebenden Horror-Fan Michael, der heimlich in das süße Mädchen von nebenan verliebt ist (typisch sensibles Pubertätsgetue ist sie es auch heimlich in ihn, denn ungewaschene Stubenhocker, die grundlos aus Prinzip den lebenden Rest meiden sind ja so süß) und sich seinem inneren Dämon stellen muss - zumindest im Ansatz. Denn zu Beginn spielt der Film mit der Aussage Horrorfilme wären eine Art Zuflucht um Dinge im Leben anders verarbeiten zu können. Dann bricht das Spiel „Brainscan“ bewusst diese gern als leeren Phrasen benutzten Ausreden, indem es den Passivaggressor zum aktiven Täter macht, denn ein Mord in einem scheinbaren Horrorspiel wird zu einem echten Mord und Michael damit zum tatsächlichen Mörder. Und was beginnt man nun mit dieser schmackhaften Ausgangslage? Typisch sensible Teenphantasie macht man Michael lediglich zum Opfer der Umstände, der von einem übernatürlichen Wesen dazu gezwungen wird weiterzuspielen ohne dies zu wollen.

Die Gründe weiterzuspielen sind ziemlich Banane, aber irgendwie muss die Geschichte ja vorangetrieben werden, und damit keiner merkt wie wenig Sinn die eigentliche Horrorgeschichte macht (und eigentlich auch die Anwesenheit der übernatürlichen Figur, die man pflichtbewusst lediglich als Freddy-Platzhalter eingesetzt hat, um überhaupt ein übernatürliches Element vorweisen zu können), werden wir zugeschüttet mit der Privatsituation Michaels, bestehend aus der Konfrontation mit der Polizei, mit dem Höllenwesen, mit der Love Interest von nebenan und mit sich selbst, so dass wir eine sympathisch verträumte Teenie-Soap aus der Außenseiterecke vorliegen haben, dem sein Genre und mögliche analytische Aussagen ziemlich egal sind.

Funktionieren tut dieser Pfusch sogar recht gut. Selbst dem Teenie-Alter entwachsen machte das brave Treiben in „Brainscan“ nach all den Jahren irgendwie wieder Spaß. Harmonie liegt über allem, sanft getragen von einem einfachen, aber eingehenden Soundtrack. Furlong weiß tatsächlich die Herzen zu erobern, und einem Cyberthriller beizuwohnen, ohne dass uns die elektronischen Welten gezeigt werden, besitzt schon Charme aus ganz eigener Richtung. Veraltete Computereffekte das Spiel „Brainscan“ betreffend gibt es keine. Im Gegensatz zu Charles Bands „Cyber World“ und „Der Rasenmähermann“ verzichtet man auf digitale Effekte komplett. Das Spiel wird durch Realszenen präsentiert. Stattdessen erleben wir an anderer Stelle einige überholte Tricks, z.B. dann wenn Michael sich gegen das Horrorwesen wehrt, welches ihn vereinnehmen möchte, da er dies irgendwo selbst sein soll, andererseits aber dann doch nicht. Aber die Frage hiernach ist so austauschbar wie die Frage ob Michael in einem Spiel umherwandert oder doch nur, wie in einer Szene gezeigt, unter Trance das Haus verlässt, um in der Nachbarschaft zu morden. Dann stellt sich ohnehin die Frage, in wie weit Brainscan nicht nur ein Signal ist, welches einen dazu bringt Dinge zutun, die man nicht will. Handelt der Film dann überhaupt noch von einem gespielten Spiel?

Einen Film wie „Brainscan“ erlebt man jedoch lediglich, anstatt ihn zu hinterfragen. Er ist auf so angenehme Art für Außenseiter warm ausgestatt, dass man sich wohlfühlt in seinen einzelnen Zutaten, und diesen kuscheligen Ort, an dem Außenseiter endlich einmal verstanden werden, für 90 Minuten auch nicht verlassen möchte. Dass Michael am Ende eigentlich ein geläuterter Charakter ist, der keinen Bock mehr auf seine Hobbys hat und sich jenem Leben stellen möchte, welches er bislang trotzig vor der Tür ließ, lässt vermuten, dass man mit „Brainscan“ etwas anderes erreichen wollte als die Bestätigung so zu sein wie man ist. Auch hier wurde die Mission verfehlt, wenn es denn eine solche gab, so orientierungslos wie man sich alles mögliche herauspickte, um einen Teenie-Wohlfühl-Horror zu schaffen. Dass das Ergebnis recht bescheuerter Natur ist, ist so egal wie der Fakt, dass ein Horrorfilm eigentlich dazu gedacht ist, jemanden aus seiner Wohlfühlzone herauszuholen, anstatt das Gegenteil zu bedienen. Im Actiongenre schaffte es Regisseur John Flynn mit dem Stallone-Hit „Lock Up“ ganz gut dem Protagonisten jegliche Gemütlichkeit zu berauben. „Brainscan“ kann man als Gegenstück zu diesem Film betrachten. Er richtet sich an ein wohl behütetes, junges Publikum mit wenig Erwartungen und lullt einen für 90 Minuten angenehm ein.

So braucht es auch nicht wundern, dass das Ende des Films einem schlechten Traum gleicht, dessen Widerspruch zur Restgeschichte mit einem halben Nebensatz abgefrühstückt wird, damit sich keiner mehr drum schert, und fertig ist der pubertäre Fiebertraum, in welchem der Alptraumgehalt nie stark genug war, um simplen Gemütern zu schaden, der biedere Grundton, der stattdessen herrschte, aber auch nie zu sehr aus erhobenem Zeigefinger bestand, als dass das Ergebnis zu moralinsauer ausgefallen wäre. „Brainscan“ soll trotz allem eher Horror-Fun sein, kein biederes Erziehungsvideo. Ehrlich gesagt erkennt man gar nicht, was er außer einer kleinen Geldanlage zu dienen, eigentlich wirklich möchte. Würde dieses Wirrwarr dazu dienen einen verwirrten Teeniegeist darzustellen, anstatt lediglich den leichtesten erzählerischen Ausweg zu gehen, könnte ich eher verstehen, warum ich „Brainscan“ so mag wie ich es tue. Wahrscheinlich muss man sich einfach mit der Wahrheit auseinandersetzen einfach anfällig für ein Trivialstprodukt gewesen zu sein, dass einem mal in seiner Wohlfühlzone gefangen gehalten hat, anstatt zu versuchen einem aus dieser herauszuholen. Und das tat dann halt auch mal gut.


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DER HÖLLENHUND (Devil Dog: The Hound from Hell 1978 Curtis Harrington)


Familie Barry kauft sich nach dem Tod ihres Hundes einen neuen, nichts ahnend, dass dieser ein Wesen aus der Hölle ist...


Damiens Hund...

Sicherlich war es seinerzeit beim Dreh von „Das Omen“ ein Risiko auf ein Projekt zu setzen, in welchem ein Knabe unheilvoll wirken sollte, ohne dass man auf die Spezialeffekte eines „Das Dorf der Verdammten“ zurückgreifen durfte. In „Der Höllenhund“ schnappt man sich gar die zehnfache Dosis Mut, greift sich heldenhaft einen besonders niedlichen Schauwert als Bote des Satans und simsalabim funktioniert einfach gar nichts. Zunächst sehen wir die Mama unseres zukünftigen Unheilbringers ängstlich in einem Pentagramm sitzen, umgeben von dusseligen Schauspielern, die ihr während einer schwarzen Messe-Szene sichtbar nicht ganz koscher vorkommen. Diese erschrecken sie mit Feuerwerksböllern, irgendwer hinter den Kulissen scheucht das eingeschüchterte Biest noch zusätzlich auf, so dass es einem geradezu leid tut, wie es hier für eine nicht funktionierende Szene leiden muss.

Zumindest den Zuschauer bereitet es auf den Rest von „Devil Dog - The Hound of Hell“ (Originaltitel) vor, der so wenig zu überzeugen weiß wie besagte Szene. Die heile Welt der Familie Barry nervt bereits früh, so dass man froh sein darf, dass der Horror recht schnell über die unglücklichen Glücklichen hereinbricht. Dies geschieht zunächst jedoch in Form eines Welpen, der, so sehr man sich auch um ängstliche Menschen und ominöse Vorkommnisse um ihn herum bemüht, so gar nichts unheimliches ausstrahlen möchte. Umarmen und auf den Schoss nehmen möchte man ihn, und anstatt dieses kuschewuscheligen Aspekt raffiniert für sich zu nutzen, hat gefälligst der Zuschauer zu akzeptieren, was die Verantwortlichen von „Der Höllenhund“ wollen, egal wieviel automatischer Widerspruch sich zwischen diesem symbolischen trotzigen Fustampfen und der tatsächlichen Filmwirkung auch auftun mag. Dass es eine fremdländische Putzfrau ist, die das Böse im Hund als erstes entdeckt und mit religiösen Ritualen in Schach zu halten versucht, ist nur eines von vielen altbackenen Klischees an denen sich „Der Höllenhund“ bedient, um auch wirklich auf jedem Quadratzentimeter seiner Handlung zu beweisen, dass er keineswegs irgendwo innovativ oder modern wirken möchte.

Irgendwem ist wohl doch aufgefallen, dass der Hund nicht so schreckhaft wirkt, wie erhofft, so darf nach einem kleinen Zeitsprung zwar der Familienköter die Angehörigen im Haus ordentlich terrorisieren, aber er macht dies auf die passive Art, macht sie zu Seinesgleichen, und so treten für einige Zeit erst einmal die Kinder als Schreckgestalten auf, später auch die Mutter. Erst als nur noch der Vater der Familie normal zu nennen ist, begreift dieser die Situation und muss sich dem Köter stellen. Hierfür muss er allerdings erst ans andere Ende der Welt reisen, um herauszufinden womit er es genau zu tun hat, aber das ist alles viel einfacher machbar, als man es sich als Zuschauer vorstellen mag. Kurzum, der Zauber der Bestie wird gebrochen, noch bevor der Familie etwas passieren kann. Zwar sind um Papa herum die Freunde und Bekannte so nach und nach gestorben, Opfer gibt es also doch so einige zu beklagen, aber zumindest ist dies nie durch die Hand eines Familienmitgliedes geschehen. Deren schlimmste Taten waren der Beischlaf der Mutter mit einem Lehrer und das betrügerische Erlangen des Amtes des Klassensprechers durch den Sohnemann - teuflisch, teuflisch.

Biederer Okkult-Horrormumpitz, vor dem sich Großmutter nicht gruseln würde, trifft auf nicht funktionierenden Tier-Horror, ein Mix der Ende der 70er Jahre weit ausgeleierter und altbackener daher kommt, als man zur Hochzeit beider Sub-Genres des Horrors eigentlich meinen sollte. Analytisch kristallisiert sich zumindest heraus, dass es das Familienoberhaupt, der Vater, grundsätzlich am besten weiß, auch wenn sich die komplette Restfamilie gegen ihn vereinen mag, von daher weht auch hier ein konservativer Wind passend zum verkrampften, modernden Rest, der heute niemanden mehr hinter den Ofen hervorlocken wird - und damals wohl auch nur gelangweilte Hausmütterchen.


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Freitag, 16. Februar 2018

ZOMBIES FROM OUTER SPACE (2012 Martin Faltermeier)


In den 50er Jahren erwecken Kornkreise und merkwürdige Alienfunde das Interesse des ortsansässigen US-Militär in einem bayrischen Dorf. Nach einiger Zeit gehen dort auch Alienzombies um, welche die Menschen ausweiden...


Die wandelnden Toten aus dem All...

Nach einer Einführungssequenz, in welcher uns die ominösen Kornkreise präsentiert werden, wird erst einmal alltäglicher Schabernack auf bayrisch gebrabbelt. Dass so etwas äußerst lustig ausfallen kann, zeigen professionelle Produkte wie „Hubert und Staller“ ebenso wie das Amateurfilmchen „Machtnix“. Doch Faltermeier, der mit seinem „Zombies from Outer Space“ ganz deutlich den Bereich der Komödie ansprechen möchte, bietet uns nun lediglich langweiliges Leergeschwätz inmitten von uninteressanten Situationen, welche mehr oder weniger uninteressante Personen erleben. Da soll das Bild des Heimatfilms der 50er Jahre wiedererweckt werden, schön und gut - aber wenn man dazu keine besonderen Einfälle hat, sollte man eine solche Filmphase möglichst kurz halten, um das eigentliche Spektakel, auf welches der Horrorfreund ungeduldig wartet, etwas früher auftauchen zu lassen. Doch das passiert nicht. Es wird endlos Zeit gestreckt. Hin und wieder wird man an die Idee erinnert, die einen in den Film lockte. Dann steht die Story wieder auf der Stelle.

So stellt sich recht schnell eine Schnarchatmosphäre ein, die im kompletten Widerspruch zum ansprechenden DVD-Cover und der herrlich schrägen Filmidee steht, mit der„Zombies from Outer Space“ die drei Genres Heimatfilm, Science Fiction und Horrorfilm vereint, indem man untote Außerirdische als Zombies durch die bayrische Landschaft schleichen lässt. Dass auch dies wesentlich lustiger klingt als es später computeranimiert aussieht, beweist die Ernüchterung, wenn Faltermeiers Film nicht an Tempo gewinnt, wenn die grünlichen Zombies dann endlich mal auftauchen und loslegen dürfen. Die weiden dann den Menschen aus, wie es spätestens der Amateursektor in Zombiefilmen der 80er bis 00er Jahre immer wieder mit menschlichen Zombies in Szene gesetzt hat, und dies in der Alienvariante hat dann bereits lustig genug zu sein, um es auch mit kaum mehr etwas weiterem bereichern zu müssen. Dass die Computeranimationen für eine solch kostengünstige Produktion eigentlich recht anständig aussehen, entschädigt das müde Treiben leider auch nicht mehr.

Vier Jahre später schaffte es ein Österreicher den jodelnden Teil Deutschlands mit dem Zombiefilm zu vereinen, indem er mit „Angriff der Lederhosenzombies“ ein stimmiges Stück Untotennonsens ablieferte. Hier wird fündig, wer auf gefräßige Aliens verzichten kann. „Zombies from Outer Space“ hingegen hat einen Stock im Arsch, so verkrampft, bieder und unspaßig wie er daher kommt, so dass man ihm nicht einmal den Sonderbonus seiner besonders originellen Grundidee lobenswert anerkennen möchte, wurde daraus doch nicht einmal im Ansatz etwas geerntet. Ab ins All mit Euch, ihr Zombie-Aliens! Und nehmt bloß all die Stunden Langeweile auf DVD gepresst wieder mit! Da waren selbst die damaligen AOL-Werbe-CDs, die man ständig im Briefkasten hatte, sinnvoller beschrieben als die Scheiben, welche die Daten dieses Schrottfilmes in sich tragen.


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Donnerstag, 8. Februar 2018

ANGRIFF DER LEDERHOSENZOMBIES (Attack of the Lederhosenzombies 2016 Dominik Hartl)


In einem Skigebiet kommt ein Investor mit einer Chemikalie in Berührung, die ihn in einen Zombie verwandelt. Er steckt ein Party-feierndes Volk in Ritas Partyhütt‘n an, und einzig der Snowboard-Profi Steve und seine Ex-Freundin Branka stellen sich gemeinsam mit Rita den Untoten...


Es muss nicht immer Nazi sein...

Vier Jahre nachdem die Deutschen an dem Versuch scheiterten mit „Zombies from Outer Space“ den Zombiefilm mit der Gattung des bayrischen Heimatfilmes zu kreuzen, kommen Österreicher daher und liefern mit einer vergleichsweise zurückgeschraubten, aber ähnlichen Idee das ab was man sich zu diesem Thema erhofft: einen stimmigen Spaß. „Angriff der Lederhosenzombies“ versucht sich zwar nicht im Heimatfilm, oder in der Parodie darin, er legt lediglich die Location auf einem Skiberg an, auf dem die Deutschen ihre Kultur zu Geld machen. Aber diese Gestalten und ihr gut saufendes Partyvolk zu Zombies mutieren zu lassen ist bereits Grundlage für ein spaßiges Schundfilmchen genug. Zum einen ist diese anderweitige deutsche Zombievariante eine herrliche Alternative zu den schon relativ oft verwendeten Nazizombies, zum anderen schaut sich der Streifen humortechnisch angenehm zurückgefahren, ist er doch nicht halb so albern ausgefallen wie sein Titel und seine Idee vermuten lässt.

Mit einer Horror-Komödie haben wir es freilich trotzdem zu tun, und die Stimmung lässt sich schon ein wenig als „Feuer, Eis und Dosenbier“ mit Zombies bezeichnen, letztendlich ist die klassische Zombiegeschichte aber nur humoristisch untermalt und nicht darauf erpicht zwingend Gag auf Gag folgen zu lassen, was sich im Gegensatz zu manchem Splatstick-Streifen wesentlich angenehmer schaut - so sehr sogar, dass das Finale, welches eigentlich in pubertärem Snowboarder-Splatstick badet, einen angenehmen Abschluss eines unterhaltsamen Durchschnittsstreifens bietet, anstatt zu nerven wie es Werke wie „Stalled“, „Doghouse“ oder anderweitige Produktionen tun, denen zum Thema Zombies nichts besseres einfiel, als Splatterszenen einen humoristischen Hintergrund zu geben.

Zwar ist „Alpine Zombie Project“ (Alternativtitel) nun auch kein Top-Movie, der die Chance hätte einen Innovationspreis zu gewinnen, zumal man von der gelben Chemikalie („Wasting Away“) bis hin zu den mutierten Rehen („Zoombies“) schon alles irgendwo bereits einmal gesehen hat, aber Regiedebutant Dominik Hartl schafft es das bereits Bekannte schmackhaft zu präsentieren und präsentiert mit seinem „Attack of the Lederhosenzombies“ (Originaltitel) ein herrlich spaßiges Stück unterhaltsame Kurzweile, die nie kurzfristig durch Monotonie oder die x-te Wiedererzählung alter Ideen ausgebremst wird. Sicherlich gilt auch für diesen Film: je jünger, desto besser kann man sich amüsieren, aber wer mit wenigen Erwartungen als Mitte-40-Jähriger herangeht, kann definitiv ebenfalls seinen Spaß mit den Alpenzombies haben. Kleine Randideen sorgen immer wieder dafür, dass die Chose lustig und interessant bleibt. Und die Charaktere, so sehr sie auch nur blasse Abziehbilder wahrer, tiefgreifender Charaktere sind, sind einem zumindest nicht so scheiß egal wie in Produktionen, die sich für die Helden der Geschichte so gar nicht interessieren.


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Sonntag, 4. Februar 2018

MEIN ENGEL (Mon Ange 2016 Harry Cleven)


Mein Engel wird er von seiner Mutter genannt, die in einem Sanatorium lebt und als einziges weiß dass er existiert. Denn mein Engel ist als Sohn eines Zauberkünstlers unsichtbar geboren. In einem blinden Nachbarsmädchen findet er erstmals eine Freundin, doch diese verlässt nach einiger Zeit den Wohnort, da sie an den Augen operiert werden soll. Als junge Erwachsene kehrt sie sehend zum Elternhaus zurück, darauf hoffend Mein Engel endlich sehen zu können, doch der hält sich versteckt und zögert zunächst seine große Liebe zu kontaktieren...


Bedingungslos lieben...

Zum Thema Unsichtbarkeit gibt es die verschiedensten Stoffe. Gerne wird die Idee des Nichtzusehenden im Horrorbereich umgesetzt, aber schon von früh an gab es Alternativen wie „Die unsichtbare Frau“, die sich durchaus des Humorpotentials dieser Gattung Fantasiewesen bewusst waren. Während das Unsichtbarsein mit all seinen Vorzügen meist schön gemalt wurde, thematisierte John Carpenter es in den 90er Jahren mit „Jagd auf einen Unsichtbaren“ humoristisch kritischer. Hier war es scheiße von Passanten nicht gesehen zu werden, oder beim Schließen der Augen trotzdem schwer einschlafen zu können, da man trotzdem etwas sehen kann. Bereits hier und in anderen Werken blitzt auch immer wieder kurz der Gedanke auf, sich wie ein Phantomwesen zu fühlen, das an seiner eigenen Existenz zweifelt. In „Mein Engel“ steht dieser Aspekt deutlicher denn je im Raum, auch wenn er nicht zum Hauptaspekt des Streifens wird.

„Mon Ange“ (Originaltitel) konzentriert sich auf den dramatischen Aspekt des Unsichtbarseins und auf den sinnlichen Aspekt der Zweisamkeit. Bereits die Zärtlichkeiten im Kindesalter, die gekonnt einer kindgerechten Perspektive nachempfunden werden, wissen eine kribbelnde Romantik entstehen zu lassen, jenes Genre, das in diesem Film über allen anderen steht. Zwar bietet die erste Filmhälfte allerhand Spezialeffekte um die Anwesenheit des Unsichtbaren deutlich zu machen, im Mittelpunkt steht hier jedoch die Sinnlichkeit zweier einsamer Kinder, die ihren Seelenverwandten ineinander gefunden haben und vorurteilsfrei und kompromisslos einander mögen, ja sogar lieben können, wie es dies im Erwachsenenalter kaum noch möglich ist. Der dramatische Aspekt der Isolation klingt nur am Rande immer wieder an, wird nicht sonderlich vertieft, zumal die Verantwortlichen der Geschichte ohnehin nicht daran interessiert sind die vielen Probleme, von denen man erzählen könnte, zu thematisieren. Wie Mein Engel ohne Mama, völlig unentdeckt vom Rest der Welt all die Jahre alleine überlebt, ehe das Mädchen als junge, sehende Erwachsene ins Elternhaus heimkehrt, wird nicht verraten. Solche Punkte werden ignoriert und lassen den Film absichtlich weltfremd wirken, was die bizarre Wahrheit von Mein Engel ebenso unterstreicht, so wie die schleichende, sanfte Kameraführung und ihr optisches Spiel mit Nähe und Unnahbarkeit das Phantomhafte des Titelhelden unterstreicht.

„Mein Engel“ ist ein sanfter Film, der die übernatürliche Ausgangslage innerhalb der nichts weiter zulassenden Liebesgeschichte lediglich als körperliches Hemmnis nutzt, so als würde man den Liebenden eine x-beliebige andere Krankheit andichten. Zwar steht das Unsichtbarsein stets im Raum, aber es sind nur wenige Momente, wie der traurige Aspekt einen Menschen den man liebt nicht in die Augen blicken zu können, welchen die grobe Story letztendlich von einer anderen „ich liebe einen Behinderten“-Geschichte unterscheiden würde. Letztendlich ist es lediglich ein Makel nicht gesehen zu werden, „Mein Engel“ stellt diese körperliche Eigenart der Titelfigur keineswegs als Behinderung dar, so wie ich es so eben in meinem Erklärungsansatz getan habe. Manch einer wird sich damit schwer tun jeglichen anderen Aspekt, außer dem Seelenleben und davon hauptsächlich die Sinnlichkeit, außen vor zu lassen und damit zwingend einhergehende Fragen nicht beantwortet zu kriegen. Auch physologische Aspekte, wie das vorhin erwähnte Beispiel mit den Augenlidern im Carpenterfilm, geht „Mein Engel“ nicht an. Der Film soll einem Liebesrausch gleichen, unterbrochen von Momenten der Angst, des Selbstzweifels, der Tragik und kurzfristig auch des Abschiedes von der Mutter.

Zwar funktioniert der Film auf dieser einseitigen  Ebene recht angenehm, dennoch konnte ich nie völlig in ihm eintauchen, wirkte mir die Geschichte doch eine Spur zu formelhaft abgearbeitet. Die Vernarrtheit Harry Clevens in die nackten Aspekte des Unsichtbarseins, z.B. dem Voyeurismus eines angeblich nicht Anwesenden, dem optischen Trick wenn wer Nichtzusehendes an einer Brustwarze saugt, all dies wirkt, obwohl es nicht dem Tabubruch dient, in seiner Vielfalt eine Spur zu aufgesetzt, zumal vergleichbare, verwandte Themengebiete nicht derart detailreich abgearbeitet werden, wie diese Lust an der Haut. Teilweise bleibt „Mein Engel“ in seiner Art zu theoretisch, und dies obwohl er mir, wie nur selten der Fall, eine rothaarige Love Interest des Helden präsentiert, jene Haarfarbe, die auch ich bei Frauen am sinnlichsten empfinde. „Mein Engel“ geht emotional tief und wirkt diesbezüglich doch zu kompakt. Die Geschichte verläuft wie im Schulbuch für Drehbuchautoren abgelesen. Dass man trotzdem so intensiv in diese Liebesgeschichte eintauchen kann, liegt an der naiven, bedingungslosen Lieben zweier Erwachsener, wie sie es als Kinder voneinander gelernt haben. Die vollkommene Naivität, das bedingungslose Vertrauen, das ist es was die Geschichte so mitreißend werden lässt und einen als Zuschauer unglücklich stimmt, weil eine solche reine Liebe als Erwachsener in der Wirklichkeit nicht mehr möglich scheint.

Manch anderer wird genau in diesem Bereich ein Hemmnis sehen nicht in die Geschichte eintauchen zu können. Das Treiben der beiden jungen Erwachsenen mag manchem zu blauäugig erscheinen, gerade in jener recht lang geratenen Phase, in welcher die Frau sich darauf einlässt bei ihren Treffen mit Mein Engel nicht hinzugucken. Meiner Meinung nach ist dies jedoch durch die intensive Vorgeschichte glaubwürdig erzählt, so nah wie sich beide als Kinder sind und voneinander Vertrauen, Liebe und Mitgefühl lernen. Dass im Umfeld des Nachbarsmädchen jegliche Erwachsene ausgeblendet werden und auch hier nie ein Erklärungsansatz darüber stattfindet, wie es die Kinder schaffen einander unerkannt zu begegnen, ist ein anderer Punkt den man einfach hinnehmen muss. Ob das Mädchen über ihren Freund spricht, so wie es der Junge auf der Gegenseite zu seiner Mutter tut, erfährt man nie. Dass, falls geschehen, die andere Elternseite eventuell mehr über den Spielkammeraden eines immerhin zu schützenden, da blinden, Mädchens erfahren will, wird somit ebenfalls ausgeblendet. So sehr ihr jeweiliges Leiden die Kinder vom Rest der Gesellschaft isoliert, so sehr wird uns dies in rein vollkommener Zweisamkeit präsentiert, was ebenfalls dem Gefühl des Zweifels dient ob man existent ist oder nicht.

Überraschend fällt „Mein Engel“ insofern aus, als dass er sich nicht all zu sehr als Sinnbild diverser analytischer Ansätze eignet, wie man meinen könnte, wenn die Mutter ihrem Kind doch solch einen bizarren Grund nennt, warum er unsichtbar ist, die gute Frau in einem Sanatorium lebt, da sie unter Depressionen, vielleicht gar psychisch unter noch anderen Krankheiten leidet. Einige Zeit glaubte ich der Fakt unsichtbar zu sein wäre eine Lüge, die mit dem Wiedersehenkönnens des Mädchens als solche entlarvt wird. Auch ist Mein Engel keine Einbildung, keine Geistergestalt, kein imaginäres Baby oder imaginärer Freund, hierfür müsste die Geschichte eine der beiden zentralen Frauen ausblenden. Dass Mein Engel existiert beweist der Kontakt zu zwei verschiedenen, sich gegenseitig nicht kennenden, Menschen. Gleiches beweist, dass bei beiden keine Halluzination stattfindet. Anders erzählt und solche Ideen zulassend, würde „Mein Engel“ tiefer greifen und bedeutender werden. Aber es ist wie es ist, letztendlich interessiert sich die Geschichte lediglich für die in vielerlei Hinsicht ungewöhnliche Liebesgeschichte, so dass der Film zur Lightversion dessen was er sein könnte degradiert wird. In dieser simpleren Form weiß er mir allerdings trotzdem zu gefallen, hauptsächlich aufgrund dieser aufregenden Art zu lieben, die ich in dieser bedingungslos naiven Form seit meiner Jugend nicht mehr erleben durfte.


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SPIONE WIE WIR (Spies Like Us 1985 John Landis)


Im kalten Krieg steht eine streng geheime Mission innerhalb der feindlichen Linien Russlands an. Damit die echten Spione ihrer Arbeit ungestört nachgehen können, werden zwei weniger nützliche Mitarbeiter der Regierung als Lockvögel eingesetzt, um die Gegenseite zu beschäftigen. Ausgewählt werden die ahnungslosen Bürohengste Fitz-Hume und Millbarge, die gerade eine Agentenprüfung auf besonders idiotische Art vergeigt haben...


Doktor, Doktor, Doktor, Doktor...

In den 80er Jahren war Dan Aykroyd neben Steve Martin einer der erfolgreichsten Komiker des amerikanischen Kinos, die einen guten Teil ihrer Filme auch selbst geschrieben haben. Zusammen mit zwei Co-Autoren realisierte Dan Aykroyd ein Drehbuch aufbauend auf einer eigenen Idee, und da der von ihm geschriebene „Ghostbusters“ ein Jahr zuvor finanziell eingeschlagen ist wie eine Bombe, stand dem guten Mann auch ein recht gutes Budget zur Verfügung - passender Weise zu einem Thema, in welchem selbst eine Bombe zum Mittelpunkt der Ereignisse wird. Dank der großzügigen Finanzierung werden dem kunterbunten Treiben um zwei vertrottelte Agenten Hightech-Szenen zur Verfügung gestellt, die es Regisseur John Landis erlauben einen relativ detailierten Blick auf die Raketentechnik, jene der Satelliten und manch andere Bereiche zu werfen. Nötig hätte dies eine Geschichte, die lediglich den üblichen Albernheiten seiner Comedystars dient, nicht gehabt, ein Hingucker sind diese technischen Gimmicks jedoch durchaus.

Wie in fast jedem Aykroyd-Werk werden solche Hingucker jedoch etwas zu sehr auf Kosten der Komik und der Geschichte ausgereizt. Zwar weist „Spione wie wir“ eine angenehme, nicht überfrachtete Gagdichte auf und bietet mit Chevy Chase an Aykroyds Seite einen weiteren hochkarätigen Komödianten, Momente des humoristischen Leerlaufs machen sich trotzdem gelegentlich breit, mehr denn je gegen Ende, wenn das Demonstrieren optischer Reize immer mehr den Eindruck macht mit dem Budget und seinen Möglichkeiten protzen zu wollen, anstatt sie lediglich dem Nutzen der zu erzählenden Geschichte zu unterstellen. Da das Ergebnis jedoch trotzdem unterhaltsam ausgefallen ist, muss man nicht all zu streng mit diesen kleinen Lachpausen sein. Überraschender Weise überragt auch gelegentlich eine unerwartete Actiondominanz das Geschehen, fast so als würde man bereits für „Lethal Weapon“ den Genre-Mix proben, um so schöner ist es, dass inmitten dieser gelegentlichen Actionorgien und High Tech-Spielereien trotzdem Platz für die plattesten Kalauer bleibt, die „Spies Like Us“ (Originaltitel) seinen eigentlichen Charme bescheren.

Chase darf hier des öfteren ähnlich lustige Sprüche loslassen wie in seinem „Fletch - Der Troublemaker“, Aykroyd besticht wieder einmal mit seinem zurückhaltenden, schüchternen Charme, der im richtigen Augenblick die Komik aus einer ganz naiven Ecke losfeuert, und insgesamt weiß einfach der Aufhänger zu gefallen, dass zwei Ahnungslose, ähnlich wie in „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“, zum Spielball zweier Spionagefronten werden, während sie sich, trotz offensichtlich fehlender Kompetenzen jeglicher Art, für echte Agenten halten. Das Ergebnis ist nicht ganz so gut ausgefallen wie im französischen Vergleichsfilm, allein schon weil Pierre Richards komplette Ahnungslosigkeit den Humorgrad immens erhöhte und seine naive Trotteligkeit die Arroganz der Helden des hier besprochenen Filmes übertrumpfte, aber auch das simplere Ergebnis von „Spione wie wir“ kann sich sehen lassen, vorausgesetzt man erwartet keinen großen Komödienknüller. „Spies Like Us“ ist eher schlicht ausgefallen wie Aykroyds „Schlappe Bullen beißen nicht“: nett, allerhand Schmunzelmaterial vorhanden, letztendlich aber doch wieder zu gewöhnlich geraten, als dass man das Ergebnis über den grünen Klee loben könnte.


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PIPPI LANGSTRUMPF (Pippi Långstrump 1969 Olle Hellbom)


Pippi ist selbstständig, stark, lebt allein in einem eigenen Haus - und ist noch ein Kind. Deswegen schlagen Polizei und die Kinderschützerin Prysselius Alarm und wollen die Kleine in ein Kinderheim stecken. Doch Piratentochter Pippi weiß sich bestens zu wehren - auch gegen Diebe, die ihren Goldschatz stehlen wollen...


Das Recht auf Freiheit und Individualität...

Astrid Lindgren hat der Welt mit ihren Pippi Langstrumpf-Büchern etwas wundervolles, lustiges und geistreiches zugleich beschert. Und mag es mittlerweile auch Zeichentrickverfilmungen, einen amerikanischen Realfilm und eine russische Version geben, den Geist der Bücher fangen lediglich die vier schwedischen „Pippi Langstrumpf“-Filme aus den 60er und 70er Jahren ein, bzw. die TV-Serie, sind die ersten zwei Spielfilme der Piratentocher Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf doch eigentlich Zusammenschnitte eben dieser, wohingegen „Pippi in Taka-Tuka-Land“ und „Pippi außer Rand und Band“ direkt für das Kino produzierte Spielfilme sind. Vielleicht liegt es daran, dass sie zu den Höhepunkten der filmischen Verwirklichung von Lindgrens Vision werden, und das ist kaum zu glauben, so großartig wie sich bereits der erste Zusammenschnitt guckt. Einen besseren oder gleichrangigen Kinderfilm gibt es nur selten.

Das Genre des Kinderfilms verwende ich nur recht selten und ungern, degradiert es ein Werk doch eigentlich in eine Nische, die ein erwachsenes Publikum nicht mehr ansprechen würde, zumal ein Kinderfilm immer auch ein anderes Genre abdeckt, sei es Kalle Blomquist und „Die Vorstadtkrokodile“ im Krimibereich, „Peterchens Mondfahrt" im Abenteuerbereich oder „Pippi Langstrumpf“ in jenem der Komödie und des Fantasyfilms. „Pippi Langstrumpf“ ist nicht nur fröhlich, kindgerecht und kunterbunt ausgefallen, er bereitet auch einem älteren Publikum einen Heidenspaß, ohne dass sich das Werk durch die Kinderfilmmentalität zu theoretisch guckt. Der Film mag die typischen Vereinfacherungen für die Umwelt und die Gesellschaft in der wir leben verwenden, die für die Kinderliteratur und ihre Verfilmungen geradezu typisch sind und damit den Kinderfilmbereich unverkennbar hervorstechen lassen, aber die vier Filme von Regisseur Olle Hellbom verfügen über so viele weitere Qualitäten, dass der erwachsene Zuschauer keine Abstriche in Kauf nehmen muss. „Pippi Langstrumpf“ ist so fern und nah der Realität, so unsinnig und bodenständig, so unterhaltsam und abwechslungsreich, wie es auch der Erwachsenen-Mainstreamfilm heutiger Tage ist, meist fällt dieser jedoch im Vergleich zum hier besprochenen Werk einfallsloser und geistloser aus.

Denn „PippiLangstrumpf“ steht keineswegs nur für die Superhelden-Version der Kinder, die sich auch einmal wünschen so stark und unabhängig wie ihre Heldin zu sein, um es auch endlich einmal den kommandierenden Erwachsenen heimzuzahlen. Die Geschichte wendet sich in ihrer gesellschaftspolitischen Aussage an Jung und Alt gleichermaßen, denn Pippi rebelliert nicht aus Trotzigkeit, sondern steht für ihre Freiheit ein. Sie wehrt sich gegen ein System, in welchem Gesetze der Gesetze wegen existieren, anstatt für den Menschen. Erwachsene wollen Pippi in ein Heim stecken, weil man das eben so mit alleinlebenden Kindern macht. Dass das Mädchen unabhängig ist, auf sich aufzupassen weiß und gut für sich sorgt, interessiert die Erwachsenen nicht. Die haben gelernt, dass es so ist wie es ist und hinterfragen ihren Alltag nicht mehr. Letztendlich warnt der Film und seine Buchvorlage, ebenso wie „Momo“, vor der Entstehung einer Gesellschaft, wie sie es mittlerweile geworden ist: eine leistungsorientierte Welt voller Verbote und Entmündigung. Darüber sollte manch einer einmal nachdenken, der fröhlich davon berichtet welch großes Vorbild Pippi Langstrumpf in seiner/ihrer Kindheit darstellte und was heute aus einem selbst tatsächlich geworden ist. Die Ideale könnten meist nicht unterschiedlicher sein - von wegen Vorbild!

Nun kommt „Pippi Langstrumpf“ aber nie moralinsauer mit dem erhobenen Zeigefinger daher. Der Grundton ist fröhlich gehalten, und selten nervte penetrante Fröhlichkeit so gar nicht wie hier, stimmt atmosphärisch doch der Grundton des Streifens, ist der Film doch liebevoll, kindgerecht, aber auch interessant und stilistisch inszeniert, immer orientiert an der Art der gerade laufenden Geschehnisse. Die Besetzung der wichtigsten Rollen lässt auch keine Wünsche offen, inklusive eines herrlich sympathisch spielenden Hans Clarin, dem man sein Herz am rechten Fleck in jeder Szene ansieht. Tommy und Annika mögen nervig wirken, aber so sind sie nun einmal charakterisiert. Etwas besser hätte man die beiden aber tatsächlich besetzen können, sie bilden die Ausnahme von der lobenswerten Regel.

„Pippi Langstrumpf“ und auch sein etwas schwächerer Nachfolger „Pippi geht von Bord“ mögen im Gegensatz zu den Kinofilmen mit gleicher Crew einen etwas dominanten Episodencharakter besitzen, anstatt tatsächlich eine durchgehende Geschichte zu erzählen, aber das wertet das Gesamtergebnis keinesfalls ab, vielleicht auch weil Pippis Welt ohnehin nicht nur fantasiereich und abenteuerlich gestaltet ist, sondern auch chaotisch und spontan. So mag der Film zwar von einer Idee zur nächsten hüpfen, sicherlich auch dem ursprünglichen Seriencharakter geschult, letztendlich weiß aber jeder Erzählstrang Begeisterung zu verursachen, sei es nun der Kulturenclash zwischen Pippis Welt und der zivilisierten bei einem Kaffeekränzchen, eine abenteuerliche Ballonfahrt, in welcher Pippi sich eher zufällig ihren Goldschatz zurückholt, die Rebellion gegen Polizei und Kinderschützerin Prysselius, oder der Besuch des Piratenvaters, dem ein wunderbar chaotisches Stadtfest auf Pippis Anwesen folgt.

Jede dieser Phasen weiß kindgerecht und hochamüsant zu unterhalten, zumal dem Werk im Gegensatz zu heutigen Kinderfilmen die Coolness fehlt, ein natürlicher Verzicht, der letztendlich für das unverkrampfte und wunderschöne Feeling sorgt und diese Art Kinderfilm ernstzunehmender wirken lässt, als die coolnessorientierten, oft feigen, Werke unserer Zeit, die dadurch infantil anstatt kindgerecht wirken. „Pippi Langstrumpf“ ist geistreiche Kurzweile für Jung und Alt, unverkrampft und unverstellt inszeniert, liebevoll verkörpert und richtet lobenswerte soziale, gesellschaftspolitische und charakterliche Appelle an sein Publikum, ohne diese über den Sehspaß zu stellen. Damit ist bereits der erste Teil der Reihe perfekt ausgefallen, was das Übertrumpfen durch die Teile 3 und 4 umso unglaublicher erscheinen lässt.


Samstag, 3. Februar 2018

KRAMPUS (2015 Michael Dougherty)


Als die Familienzusammenkunft zum Feste einmal wieder nur Streitereien und Missgunst hervorbringt, verliert der kleine Max das Vertrauen der Grundsätze Weihnachtens und schickt seine Wünsche in die Hölle, wo der Krampus, eine Art Anti-Weihnachtsmann, auf die Familie aufmerksam wird, um sie zu bestrafen...


Der Weihnachtsmann ist der neue Nikolaus...

Den Krampus könnte man als eine Art Dämonenvariante des Knecht Ruprecht bezeichnen. Einst war er das Gegenstück des Nikolaus, um die bösen Kinder zu bestrafen, im Kino hat er es nun von der Adventszeit in die Weihnachtstage geschafft, wo er, fast einer Beförderung gleich, als Gegenstück zum Weihnachtsmann uminterpretiert wurde. Michael Doughertys „Krampus“ ist nicht der erste Film, der sich besagter Kreatur widmet, aber sicherlich einer der ersten der sich dank eines guten Budgets ordentlich zu diesem Thema austoben darf. Dass der Film kein schnell heruntergedrehtes Billigprodukt ist, beweist er bereits in der sehr humoristischen Vorspannsequenz, die ihn zu einem brauchbaren Anti-Weihnachtsfilm macht, so pointensicher wie hier die Heuchelei einer dekadenten Gesellschaft zum Thema Weihnachten ausfällt. Auch mit der keineswegs auf die Schnelle abgefertigten Einführung der einzelnen Familienmitglieder bleibt man diesem Niveau treu, wird das fröhliche Familienleben verträumter Weihnachtsfilme doch von der Wirklichkeit der verwöhnten Gesellschaft dezimiert und offenbart uns, ähnlich wie die Sippschaft aus „No Panic“, eine Gruppe sich gegenseitig nicht leiden könnender Egomanen, mal sympathischer, mal so gar nicht sympathisch charakterisiert.

Damit ist eine hervorragende Ausgangslage getroffen, um nun den düsteren Part über das unheilige Geschehen hereinbrechen zu lassen. Aber so großartig wie eingangs soll „Krampus“ nun leider nicht mehr werden, denn wie so oft bei gut finanzierten Filmen, wird auf das äußere Event mehr Wert gelegt, als auf das Herzstück eines Filmes. Stets passiert etwas aufregendes, während der fast nie zu sehende Krampus sein Unwesen treibt, der zuvor aufgebaute Tiefgang der Charaktere geht dabei aber leider ebenso flöten wie die Möglichkeit eines atmosphärischen Alptraums. Zwar tritt das Genre der Komödie immer weiter zurück, was dem Gehalt der Weihnachtssatire zunächst keineswegs schadet, aber letztendlich ist den Verantwortlichen des Streifens das Einbauen ereignisreicher Gimmicks wichtiger, als tatsächlich einen Horrorfilm-Touch aufzubauen. Nicht falsch verstehen, auch in diesem Gewand weiß der Film zu unterhalten, aber letztendlich wird aus ihm eher eine Fantasykomödie, anstatt eine Horrorkomödie, und das will sich in der harten Gangart die hier angeschlagen wird nur schwer einem passenden Publikum zuordnen.

Letztendlich könnte man „Krampus“ als ein Zwischenprodukt aus „Dolls“ und „Small Soldiers“ bezeichnen, sowohl was die Mentalität, den Zauber und die Lehre dieser Geschichten ausmacht, als auch den Drang der Filmschaffenden dieser Produkte schräge Sehwerte ins Geschehen zu integrieren. Feindlichgesonnene, kleine Lebkuchenmänner bekommen wir hier ebenso geboten wie bösartige Schneemänner, mutierte, Kinder-verschlingende Springteufel und allerlei andere mal größere, mal kleinere, mal sichtbare, mal versteckte Monstrositäten. Das Tempo von „Krampus“ ist dementsprechend groß. Dank der Liebe zum Detail ist dieser wilde Ritt ein optisches Fest und der Hang sich von einer aufregenden Idee zur nächsten zu hangeln weiß einen gewissen Grad Unterhaltungspotential aufzubauen. Ein richtig guter Film wird aus „Krampus“ durch das mangelnde Einfühlungsvermögen, dem zu oberflächlichen Streifen der Charaktere und dem mit der Zeit aus den Augen verloren gegangenen satirischen, kritischen Grundton jedoch nicht.

So endet das für einen Familienfilm viel zu brutale Treiben viel zu versöhnlich, wie es eigentlich gerade zu einem Familienfilm passen würde, und alle gewagten, anarchistisch angehauchten Ansätze werden dem braven Erzählstandard geopfert, anstatt Max ähnliches Leid durchleben zu lassen, wie seiner Großmutter. „Krampus“ ist auf anderer Ebene trotzdem ein sympathisches Stück Kino geworden, aber so wie umgesetzt wird das mühevoll angegangene Werk ein Film, den man irgendwann wieder vergessen hat, anstatt den Voraussetzungen gerecht zu werden ein herausragendes Produkt zu sein, das man hin und wieder als Medizin gegen zu kitschig geratene Weihnachtsfilme aus dem Videoregal hervorholt. Dennoch sollte man sich „Krampus“ ruhig einmal geben, sind seine Hingucker doch auch wirklich ein Hingucken wert, und kleine Bonusmomente, wie der Rückblick auf vergangene Ereignisse in Stop Motion-Knetfiguren-Animation, tatsächlich liebevoll gestaltet. So enthält der wahre „Nightmare Before Christmas“, der hier stattfindet, tatsächlich noch eine Sequenz, die dem Genre des Tim Burton-Filmes entspricht.


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MONDBLUT (The Beast Must Die 1974 Paul Annett)


Ein Profijäger installiert eine Überwachungsanlage auf seinem abgelegenen Anwesen und lädt sechs Gäste zu sich ein. Er ist davon überzeugt, dass einer von ihnen ein Werwolf ist, und diesen möchte er als letzte große Herausforderung jagen...


Welcher Mensch ist das Schafskostüm?...

Ein gelangweilter Jäger, der die große Herausforderung sucht, das gab es bereits in den 30er Jahren mit „Graf Zaroff“, in welchem der titelgebende Mann Jagd auf Menschen machte. Mit „Mondblut“ wollte man diese Idee nicht nur gegen eine extremere Variante austauschen, man beweist geradezu mit dem Einstieg in die Geschichte, dass das Thema Menschenjagd, und damit das Vorbild an welchem man sich bedient, durchaus nicht vergessen wurde. Allerdings nutzten die Verantwortlichen der Geschichte es gleich für vielerlei Kniffe, bietet das Ende besagter Szene doch gleich zwei Überraschungen, von welcher eine politischer Natur ist. Damit hat man den cleversten Aspekt des kompletten Streifens auch gleich hinter sich gebracht, denn was nun als Hauptgeschichte folgt ist eine sleazy umgesetzte Pulp-Story mit Blaxploitation-Touch, die irgendwo zwischen Agatha Christie, besagtem Zaroff und diversen Werwolfgeschichten angesiedelt ist und keinen großen Hehl daraus macht, dass es hier lediglich um den Spaß an der Sache gehen soll.

Das beweist bereits die actionlastige Hintergrundmusik im Stile der Krimiserien gleichen Jahrzehnts. „Black Werewolf“ (Alternativtitel) soll nicht wirklich gruseln oder schocken, er lädt den Zuschauer lediglich zum Rätselraten ein, wer der geladenen Gäste der Werwolf sein mag. Und das macht er, indem er ganz direkt zum Zuschauer via Schrifteinblendung und Off-Kommentar spricht. Zum letzten Drittel des Filmes wird eben jener kurz unterbrochen, um sich erneut an den Zuschauer zu wenden, ob dieser nun wisse wer der Wolfsmensch ist. Diese verspielte Art und die absichtlich schundige Umsetzung wissen in ihrem augenzwinkernden Grundton zu gefallen, so dass man sich über den eigentlichen Nonsens, der über allem schwebt, kein bisschen aufregt. So darf man sich zwar zurecht fragen, warum der Gastgeber glaubt es müsse ein Werwolf anwesend sein, wenn er sechs Menschen einlädt, bei denen die Vermutung nahe liegt, dass dem so sein könne - immerhin spielt der Film, so ungewöhnlich seine Geschichte auch angelegt ist, in unserer Wirklichkeit, in welcher kaum wer an die Existenz des Wolfsmenschen glaubt. Zwar wird der Geisteszustand des Jägers angezweifelt, eben weil keiner an solchen Hokuspokus glaubt, trotzdem wird von Seiten des Jägers nie mit der Eventualität gespielt, dass alle sechs Personen ein Irrtum sein könnten - was man ja durchaus auch dann in Erwägung ziehen kann, wenn man an die Existenz der Gattung Werwolf glaubt.

Das Werwolfsein ist in „The Beast Must Die“ (Originaltitel) eine Krankheit, die wunderbar pseudowissenschaftlich von der Rolle Peter Cushings erklärt wird, der einen Wissenschaftler spielt, welcher den Mythos des Werwolfs zwar studiert hat, jedoch nur auf Fragen des Jägers reagiert. Er selbst zeigt null Interesse an dem Experiment, auch wenn er in einer Szene behauptet, er würde dies tun. Wie erwähnt, Sinn gibt es hier so wenig zu erleben wie Moral (man bedenke nur wie asozial es ist Jagd auf Werwölfe zu machen, wenn es sich hierbei um Menschen handelt, die unter einer schrecklichen Virenerkrankung leiden. Und einen Menschen als geisteskrank zu bezeichnen, nur weil er an übernatürliche Wesen glaubt, würde ja bedeuten, dass man heutzutage jeden Esoteriker und Gottesgläubigen für irrsinnig erklären müsste), aber Spaß macht die etwas zu simpel geratene Chose durchaus, fehlt es in der Inszenierung Paul Annetts zwar an düsterer Atmosphäre, aber nicht an Stimmung. Zudem reizt es tatsächlich mitzuraten, wer denn nun der Wolfsmensch ist.

Ob man diesen so nennen kann, obwohl besagte Person sich lediglich in einen Wolf verwandelt, so wie es auch der Protagonist in „Wolf“ mit Jack Nicholson tut, sei einmal dahingestellt, von dem Verzicht eines Mischwesens und dem Krankheitsaspekt einmal abgesehen orientiert man sich ansonsten aber sehr wohl an der allbekannten Horrorkreatur. Der Vollmond fehlt hier ebenso wenig wie das Silber und der Eisenhut. Das Edelmetall wird gar einige Jahre vor Carpenters Version von „Das Ding aus einer anderen Welt“ verwendet, um mit der Gruppe einen Test durchzuführen, wer der Werwolf sein könne. Dass man trotz der Anwesenheit eines Arztes und der Vermutung es mit einer Virenerkrankung zu tun zu haben, keinen Bluttest durchführt, gehört wiederum zu den vielen nichtdurchdachten Momenten des Streifens, die ihm aber seinen zusätzlichen Charme bescheren, anstatt ihm zu schaden.

„Mondblut“ mag kein vergessener Meilenstein unter den vielen Genre-Werken sein, an denen Peter Cushing beteiligt ist, aber er ist ein recht sympathisches Stück Genre-Nonsens, bei dem nie ganz klar ist bis zu welchem Grad er tatsächlich augenzwinkernd gemeint ist. Da die deutsche Synchronisation in der Betonung ihrer Sprecher eher mittelmäßig ausgefallen ist (gerade die Stimme der Hauptfigur schadet der tatsächlich anvisierten Stimmung des Streifens sehr), wäre es wünschenswert der Film würde endlich eine offizielle DVD-Veröffentlichung mit Originalton und deutschen Untertiteln erhalten, denn in solcher Form guckt er sich sicherlich noch eine Spur unterhaltsamer als in der von mir gesichteten deutschen Fassung.


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Sonntag, 28. Januar 2018

SEDDOK - DER WÜRGER MIT DEN TEUFELSKRALLEN (Seddok, l'erede di satana 1960 Anton Giulio Majano)


Die Stripperin Jeanette kann zwar aus einem brennenden Wagen gerettet werden, leidet von nun an aber unter Hautwucherungen, welche die Schulmedizin nicht beheben kann. Als Professor Levin Jeanette kontaktiert, ist dies ihre einzige Chance. Er verspricht ihr in Geheimexperimenten die Heilung. Die junge Frau willigt ein, zieht heimlich in Levins Haus und erwacht nach der Operation wieder als schöne Frau. Doch das Ergebnis ist nicht von Dauer, Levin, mittlerweile schwer in Jeanette verliebt, jedoch zu allem bereit um seine Liebe für immer zu heilen...


Ein Mann entartet einer Fau zuliebe...

Deutlich den Spuren von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ folgend, geht „Seddok - Der Würger mit den Teufelskrallen“ einem Thema nach, welches im selben Jahr auch die Filme „Augen ohne Gesicht“ und „Die Mühle der versteinerten Frauen“ beschäftigte. In allen drei Filmen möchte ein Wissenschaftler die Gesundheit einer jungen Frau retten und muss hierfür morden. Die Version des hier besprochenen Stoffes nimmt hierfür Ideen aus „Comtesse des Grauens“ und „Rejuvenator“ vorweg, indem er sich mehr um den Schönheitsaspekt als für die tatsächliche Heilung einer Krankheit interessiert. Sicherlich ist diese hier namhaft mit Hautkrebs genannt, dennoch wird das Thema ansonsten nur der Eitelkeit wegen angegangen, lediglich die Morde begeht hier noch nicht die Frau mit dem Wunsch unendlicher Schönheit. Ganz im Gegenteil ist sie sogar ahnungslos was ihr gebildeter Beschützer für sie so alles treibt.

Damit das Ganze noch abenteuerlicher daher kommt, darf sich auch der gute Prof verwandeln, der in Anlehnung an den Wolfsmensch ebenfalls eine tierähnliche Kreatur wird und transformiert in dieser nachts Jagd auf hübsche Frauen macht. Wer den Sinn hinter allem sucht, wird ihn im Film nicht finden, der einfach unreflektiert und mit allerhand inhaltlichen, wie auch sprunghaften Lücken, Versatzstücke diverser Horrorfilme aneinanderreiht, ohne dass diese einen hintergründigen Zweck erfüllen. In Schwarz/Weiß gehalten und schlicht abgefilmt kommt „Atom Age Vampire“ (Alternativtitel) eher wie ein mittelmäßiger Jess Franco-Film daher, anstatt das Niveau eines der Vergleichsfilme zu erreichen, und das ist schon recht schade, hätte eine professionellere Optik und ein weniger naiver Umgang mit der Thematik aus dem ganzen Stuss doch einen wundervollen Grusler zaubern können, ob nun im Schundfilmbereich daheim oder nicht.

Aber leider fehlt es Regisseur Anton Giulio Majano, der auch „Ketten der Leidenschaft“ und „Die korsischen Brüder“ inszenierte, am Talent eine stimmige Atmosphäre einzufangen. Ob eine solche auch all die sprunghaften Fortgänge der Geschichte wett gemacht hätte, lässt sich nur schwer erahnen. Gerade gegen Ende übertreibt es der Verantwortliche fürs Drehbuch endgültig, wenn er Jeanette wie durch Zauberhand doch wieder wunderschön aussehen lässt, kurz nachdem Levin entdeckt, dass ihm die Kraft für das weitere Töten fehlt. Gerade in dieser Phase will erst recht wenig Sinn ergeben, eben weil nun alle Ideen der Geschichte aufeinander stoßen und dabei weiterhin ordentlich mit Genre-Klischees um sich geschmissen wird. Als Mix aus Mad Scientist und Grusel-Krimi kann sich „Seddok“ halbwegs über Wasser halten, bleibt aber doch immer eine Spur zu sperrig und theoretisch inszeniert, um tatsächlich unterhalten zu können.


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Samstag, 27. Januar 2018

MEIN VATER, DER HELD (Mon père, ce héro 1991 Gérard Lauzier)


Im Urlaub verguckt sich die 14jährige Véronique in den jungen Benjamine und erzählt ihm, ihr älterer Begleiter sei ihr Liebhaber. In Wirklichkeit handelt es sich um André, ihren Vater, und der ist, als er von der Geschichte erfährt, alles andere als begeistert. Schließlich schlüpft er aber doch in die ihm von der Tochter zugedachte Rolle, um ihr dabei zu helfen Benjamine zu erobern...


Erstmal eine Buchstabensuppe...

Was Gérard Lauzier mit „Mein Vater, der Held“ abliefert ist nicht einfach nur ein Blick auf den Generationenkonflikt zu einer der zickigsten und wechselhaftesten Zeiten einer Teenagerin, ihm ist ein sehr sensibler und gleichzeitig pointensicherer Einblick in eine Vater-Tochter-Beziehung geglückt, die trotz ihrer Übertreibungen stets glaubwürdig bleibt, was aber auch am psychologischen Verständnis des Autors zu seinen Figuren liegt. So spiegelt sich im Verhalten der Tochter stets auch die Wechselhaftigkeit des Vaters wieder, bei dem aus guter Laune schnell ein aufgebrachter Beleidigter wird. Die junge, attraktive Marie Gillain wird zur glaubhaften Tochter des pummeligen Gérard Depardieu. Und ein stiller, harmonischer Grundton macht auch aus der chaotichsten Situation einen sensiblen Einblick in irritierte Seelen.

Die wechselnde Laune seiner Tochter überfordert den Vater mehr als ihre Lügengeschichten, und ihre Liebe zueinander ist stärker als das wachsende Geschwätz unter den anderen Urlaubern André sei ein Pädophiler. Der Film wird meist aus der Perspektive des Vaters erzählt und schafft es mit seiner gefühlvollen Art tatsächlich Vatergefühle beim männlichen Publikum zu wecken, was gerade im emotional enorm hohen Schluss stark hervortritt, wenn Lauzier uns in den Abspann entlässt, begleitet von einem trivialen, aber treffsicheren Lied, welches Depardieu persönlich gesungen haben soll. Ohnehin ist der Soundtrack einer der Hauptschlüssel zum Funktionieren des kompletten Streifens, weiß das eigentliche neckisch vorgetragene „Mon pere, ce heros“ (Originaltitel) - Thema doch wie die Faust aufs Auge zur Geschichte zu passen, ein Lied das auch unabhängig vom Film ein großartiger Song ist.

Die langsame Entwicklung der Geschichte, die mit einer halbwegs harmlosen Lüge und der enormen Naivität Benjamines beginnt, ist angereichert mit kleinen, aber keinesfalls unwichtigen Witzeleien, gipfelt im Lügenduell zwischen Vater und Tochter, wo jeder gegenseitig die Geschichten des anderen auszubaden hat, und doch steht stets die Zwischenmenschlichkeit, die Sympathie füreinander und das Verstehen der Figuren im Raum, so dass man die zwei Hauptfiguren richtig lieb gewinnt, was einem ungemein dabei hilft über Andres Leiden liebevoll zu lachen. Der möchte eigentlich nur einen schönen Urlaub verbringen, dementsprechend pointensicher kommt das Drehbuch daher, das André nicht einmal Ruhe gönnt, wenn die Tochter nicht in der Nähe ist, oder gerade eine vaterfreundliche Phase durchmacht. Dann dürfen nervige Randfiguren ins Geschehen treten, um auch diese Urlaubsmomente zu ruinieren.

Man gönnt dem Vater gen Ende immer mehr sein eigenes Happy End, das keineswegs ein ideales für ihn ist, muss er doch wieder einmal der Liebe zu seiner Tochter wegen zurückstecken, kurz nachdem er bitter enttäuscht wurde. Gerade in solchen Momenten guckt sich „Mein Vater, der Held“ äußerst europäisch, macht er diese Gefühle und Erlebnisse doch nicht zu Widersprüchen, sondern zu kompatiblen Gegensätzen, die gleichzeitig im selben Herz schlummern. Lauziers Film erzählt vom Kind in der Erwachsenwerdenden, vom Loslassen, vom Beschützerinstinkt bei Jung und Alt, von Klischees und Tratsch, von Selbstherrlichkeit und Selbsteinsicht, von Egomanie und Selbstlosigkeit, quasi von allem was geradezu menschlich ist, und dies auf so herzliche Art, dass ich mich immer wieder gerne darauf einlasse. „Mein Vater, der Held“ ist einer der wenigen Filme, bei denen ich nur so dahinschmelze, obwohl im Zentrum keine Liebesgeschichte zwischen Mann und Frau stattfindet. Auch Vatergefühle können sehr enorm sein.


Donnerstag, 25. Januar 2018

BIG ASS SPIDER! (2013 Mike Mendez)


Kammerjäger Alex ist zufällig vor Ort als eine erstaunlich große Spinne Probleme in einem Krankenhaus verursacht. Das Militär ist kurz danach zwar auch vor Ort und möchte die Sache alleine klären, aber Alex hält sich für berufener und macht zusammen mit dem Sicherheitsmann Jose Jagd auf das Biest, das immer größer wird, mittlerweile irgendwo in L.A. unterwegs ist und somit auch die Aufmerksamkeit von Bürgern und Medien erweckt hat...


Eigentlich für Tomaten gedacht...

Wenn man bedenkt wie sehr man im amerikanischen TV mit Horrorfilmen über mal kleinere und mal größere Spinnen zugeschüttet wird, sollte man meinen es traut sich niemand mehr das Thema für die große Leinwand anzugehen. Mike Mendez hat jedoch mutige Geldgeber gefunden und beweist mit seinem Film „Big Ass Spider!“ dass man auch mit einer recht vorhersehbaren, oft erzählten Story durchaus mehr Potential erreichen kann, als die müden Produkte, die meist vom Sender SiFi produziert werden. Mendez Werk besitzt nun nicht das Budget eines „Jurassic Park“ und kann somit ebenfalls nicht die beste Computeranimation vorweisen, aber das Ergebnis ist definitiv als okay zu bezeichnen und beweist, dass kostengünstige, nicht völlig überzeugende Animationen durchaus zum Unterhaltungszweck ausreichen, wenn man sie nicht völlug plump umsetzt.

Mendez tut gut daran dem Film einen humoristischen Grundton zu bescheren, der meist von der Hauptfigur des Kammerjägers ausgeht, der charakterlich eigentlich eine Kopie der John Goodman-Rolle aus „Arachnophobia“ ist. Zumindest ist Greg Grunberg keinesfalls eine blasse Kopie, weiß er doch schnell die Sympathie des Zuschauers auf seine Seite zu ziehen. Und mit ihm als Großmaul begleitet von dem nicht wirklich selbstbewussten Mexikaner Jose, nimmt „Big Ass Spider!“ gar das Erfolgsduo der Serie „Ash vs. Evil Dead“ vorweg, das meiner Meinung nach im hier besprochenen Film auch eine winzige Spur besser funktioniert als dort. Alex und Jose sorgen für die nötige Aufheiterung inmitten eines Filmes, der sich nicht komplett dem Genre Komödie verschrieben hat. Mendez gelingt es durchaus zusätzlich spannende Momente, überzeugende Actionsequenzen und auch manchen Ekelmoment zu erzeugen.

Ohnehin merkt man beim Sichten von „Mega Spider“ (Alternativtitel), dass Mendez ein feines Gespür für Situationen inmitten einer grobschlächtigen Handlung besitzt. Hier überzeugt bereits die Einstiegssequenz, wenn wir zu einer mittelmäßigen Coverversion des Songs „Where Is My Mind“ den Helden mitten durch das von der Riesenspinne verursachte Chaos wandern sehen, ein Szenario welches uns eine Vorschau auf das Finale des Streifens beschert. Hier gewährt uns Mendez einen Einblick in die Perspektive jener Bürger, die völlig unvorbereitet mit der Situation konfrontiert werden. Diesen Hauch Empathie besitzt der Streifen auch in seiner gar nicht mal tiefgehenden Figurenzeichnung, und dies obwohl wir es hier, wie meist in US-Filmen, lediglich mit Stereotypen zu tun haben.

Die Geschichte an sich beschreitet die üblichen Wege dieser Art Handlung, ist also sehr leicht vorhersehbar, aber Mendez und sein Autor gelingt es mit Kleinigkeiten am Rande zu punkten, mit winzigen Innovationen, gelungenen Dialogen und treffsicherer Situationskomik. Allein die Idee der Namensgebung des Filmes aufgrund der Zeugenaussage eines Ghettobewohners, obwohl im Zentrum ein Kammerjäger steht, der die professionellen Bezeichnungen der Arachniden kennt, weiß innerhalb des Filmes zu gefallen, wenn man sich nicht elitär aufgrund des prolligen Titels vom Sichten des Streifens abhalten lässt. „Big Ass Spider!“ bremst sich mit diesem Händchen für gute Unterhaltung nie aus, auch wenn er manches Mal kurz davor ist trotzdem auf der Stelle zu treten. Solche Momente erkennt der Regisseur jedoch sofort, so dass das Szenario rechtzeitig einen Umschwung erhält und damit weiterhin zu gefallen weiß.

Mendez mag nicht solch ein Partyknüller geglückt sein, wie ihn Ajas mit „Piranha“ abgeliefert hat, aber „Big Ass Spider! - Jetzt bist du am Arsch!“ (Alternativtitel) ist definitiv die angenehme Ausnahme der ansonsten eher drögen Genrebeiträge zum Thema CGI-animierte Spinnen. Der Film bietet flotte, humorvolle und aufregende Unterhaltung, konzentriert sich einzig auf dieses Ergebnis ohne dabei Tiefgang anzuvisieren und weiß mit dieser ehrlichen und funktionierenden Art zu gefallen. Allerdings hätte ich mir gewünscht der Autor hätte den Humor des Streifens auch nach dem Finale berücksichtigt, wenn es um die Annäherung von Alex und einer attraktiven Soldatin geht. Hier brannte aber wohl eher das Herz zum klasssischen Kinoklischee durch, und das unglaubwürdig, da nicht gerade kompatible Gespann, darf ein Paar werden. Aber wenn dies der einzige Punkt ist, der mir an „Big Ass Spider!“ nicht gefallen hat, darf ich doch definitiv zufrieden mit diesem spaßigen Werk sein.


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Mittwoch, 24. Januar 2018

CAMEL SPIDERS (2011 Jim Wynorski)


Amerikanische Soldaten bringen mit dem Transport eines gefallenen Soldaten versehentlich eine tödliche Gattung Arachniden vom mittleren Osten mit in ihre Heimat, wo die Viecher recht bald über Kunden und Mitarbeiter eines Diners herfallen, als auch über eine kleine Gruppe Studenten...


Die Sandteufel reisen nach Amerika...

Dass sich in einer Monsterfilmproduktion für das amerikanische Fernsehen allerhand genre- und filmerfahrene Gesichter zusammengetan haben, hat noch lange nichts über die Qualität eines solchen Werkes zu sagen, zumal alle hier namhaften Beteiligten seit je her, meist im B-Film-Bereich, wechselhafte Qualität abgeliefert haben. Produziert haben „Camel Spiders“ u.a. Roger Corman und Jim Wynorski, der unter dem Pseudonym Jay Andrews auch gleich die Regie übernommen hat, Hauptdarsteller Brian Krause begann seine Karriere seinerzeit in einer der wichtigsten Rollen im Stephen King-Film „Schlafwandler“, während C. Thomas Howell in einigen Erfolgen wie „Soulman“ und „Hitcher - Der Highwaykiller“ dabei war, lange bevor er Stammdarsteller in Asylum-Produktionen wie „Krieg der Welten 3“ und „Der Tag an dem die Erde stillstand 2“ wurde. Geschnitten hat den hier besprochenen Tier-Horror Tony Randel, der für die Regie von „Hellraiser 2“ und einigen kleineren Horrorbeiträgen verantwortlich war.

Das Ergebnis dieser Zusammenkunft B-Film-erfahrener Dauergäste: Mittelmaß. Dass „Camel Spiders - Angriff der Monsterspinnen“ (Alternativtitel) nicht die langweilige Art Routine wurde, hat man wohl Jim Wynorski zu verdanken, der bereits in seinen Anfängen mit „Der Vampir aus dem All“ und „Shopping“ bewies, dass er das rechte Händchen für kleine Schundfilmchen besaß. Selbst billigst computeranimierte Spätwerke für das US-TV, wie „Island of Beasts“ oder „Gargoyles - Flügel des Grauens“ wussten sich trotz ihres müden Standards halbwegs frischer von Konkurrenzprodukten ähnlicher Produktionsbedingungen abzuheben.

Dies ist ihm mit „Camel Spiders“ zwar nicht geglückt, zumal der ansonsten gern verwendete augenzwinkernde Ton diesmal fehlt, aber aus irgendeinem Grund weiß die monotone, schon oftmals erzählte Geschichte nicht zu langweilen. Ehrlich, ich weiß nicht warum. Die Figuren sind so egal wie ihre Darsteller, das Drehbuch ist frei von Innovationen und verherrlicht ständig das US-Militär in seiner Pazifisten-feindlichen Orientierung, die Computereffekte sind so uninspiriert ausgefallen wie die Attacken der Viecher um die es zentral geht, und auch anderweitig, z.B. in den Bereichen Soundtrack und Kameraführung, weiß „Camel Spiders“ mit nichts aufzufallen. Alles an dem Werk ist billigste Routine.

Wie auch immer Wynorski es geschafft hat: man schaltet zumindest nicht zwingend vorzeitig aus, das Ergebnis ist, obwohl alles dagegen spricht, nicht zäh wie Kaugummi ausgefallen, weiß aber maximal besonders treuen Freunden des Tier-Horrors zu gefallen. Jeder andere Zuschauer wird mit den Schultern zucken und weiter zappen. Filmfreunde, die üblicher Weise nicht im Horrorbereich unterwegs sind, werden sich eventuell noch wundern, dass sie an „Camel Spiders“ wirklich gar nichts erschreckt hat, außer vielleicht die Penetranz wirklich völlig austauschbare Wege mit der Umsetzung dieses Streifens betreten zu haben. 


Weitere Besprechungen zu Camel Spiders: 


WAS IST BLOSS MIT MEINEN MÄNNERN LOS? (2002 Reto Salimbeni)


Vater zieht von zu Hause aus weil er eine Geliebte hat. Sein Sohn versteht das nicht so ganz. Was ist eine Geliebte? Und wie bekommt man Vater und Mutter wieder dazu einander zu mögen? Im Internet hofft er diese Fragen irgendwie beantwortet zu kriegen. Aber etwas viel besseres passiert: Ein magisches Wesen aus den unendlichen Weiten des Internet bietet ihm einen Zauber an, der dem Jungen erlaubt mit seinem Vater den Körper zu tauschen. Aber dem Kind bleiben nur wenige Tage seine Mission zu erfüllen, sonst sind beide für immer im Körper des anderen gefangen...


Boschi - Der Yar Yar Binks der Körpertauschkomödien...

Dass „Was ist bloß mit meinen Männern los?“ nicht mit den größeren Projekten a la „Freaky Friday“ und „big“ mithalten kann, sollte man sich vor dem Sichten des Filmes von Reto Salimbeni klarmachen, immerhin ist besagte Komödie lediglich ein TV-Film des Privatfernsehsenders Pro 7, also der preisgünstige Dreh für die schnelle Unterhaltung, und als Grundlage diente ein Buch von Hera Lind, einer Schriftstellerin für den simplen Massengeschmack. Und da Pro 7 auch nicht gerade professionelle Drehbuchautoren engagierte, erlebt man mit „Der Tag an dem ich Papa war“ (Alternativtitel) die simple Version des klassischen Körpertauschstoffes, frei von Innovationen und inhaltlich so angelegt, wie es die Geschichte schon oftmals im Kino und im Fernsehen zu erleben gab. Psychologische Tiefe darf hier so wenig erwartet werden wie Intelligenz anderer Art. Das Ergebnis ist maximal simpelste Kopf aus-Unterhaltung der besonders leichten Art, und ob das einem schmeckt oder nicht hängt letztendlich davon ab, ob man dem fertigen Produkt Sympathie abgewinnen kann oder nicht.

Der Auslöser des Körperzaubers macht es einem damit nicht gerade einfach, ist er doch nicht nur, gerade verglichen mit den vielen ähnlichen Produkten gleicher Thematik, höchst einfallslos ausgefallen, sondern mit der computeranimierten Figur des Boschi zudem auch höchst nervig. Auf schrille, pseudo-lustige Art biedert er sich dem Kinderpublikum dieses Familienfilmes an und darf an seinem Tiefpunkt angelangt ganz am Schluss des Filmes auch noch Werbung für seine Pro 7-finanzierte Internetseite machen. Glücklicher Weise ist er kaum präsent, so dass seine Nerverei nicht viel am Gesamtwerk kaputt machen kann. Leider arbeitet aber das Drehbuch in gleicher anbiedernder Art an der Wirkung der eigentlich charmant besetzten wichtigsten zwei Kinderrollen, die nie ihre natürliche Art ausleben dürfen, da sie billigste Teen-Klischees in Wort und Bild erfüllen müssen. Das ärgert zurecht, allerdings hätte auch eine andere Vorgehensweise nicht verhindert, dass Max Felder, der Junge der den Sohn mimt, seine Texte nicht glaubwürdig zu betonen weiß - ein Defizit welches er als professioneller Synchronsprecher mittlerweile behoben hat.

Man weiß bei einer Produktion wie dieser nie, wieviel Anteil am mageren Spiel auch der knappen Zeit geschult ist, wirken doch auch die beiden hochsympathischen Mimen Thomas Heinze und Christian Tramitz nicht auf dem Standard ihres Schaffens, ist man von ihnen doch üblicher Weise mehr gewohnt. Mit seinem typischen Charme weiß Heinze freilich trotzdem zu gefallen, zumal man ihm in einigen Szenen jenenen Spaß ansieht das Kind in sich rauslassen zu dürfen, was man sich den kompletten Film über gewünscht hätte. Tramitz Part ist hingegen vergleichsweise ernst ausgefallen, wenn man einmal die typischen anderen Rollen des Komikers bedenkt, aber der gute Mann weiß gekonnt auf recht subtile Art den Typ Mensch zu veräppeln, den er hier verkörpern soll, das weiß gerade inmitten einer ansonsten unreflektierten Erzählung besonders gut zu gefallen.

Ansonsten bietet „Was ist bloß mit meinen Männern los?“ die glattpolierte Durchschnittsversion des altbekannten Körpertauschthemas, an dem immer wieder der besagte anbiedernde Charakter stört um wirklich funktionieren zu können. Immer wieder darf man auf simpler Ebene gelungenen Szenen beiwohnen, die alle keine große Filmkunst sind, aber durchaus Sympathie und einen lockerflockigen Unterhaltungswert zu versprühen wissen. Und dann kommt leider immer wieder so eine verkrampft aufs Zielpublikum anvisierte Szene daher, die das an sich flotte Tempo und den Charme der ganzen Chose wieder auszubremsen weiß. Ich hatte „What‘s Up With the Men in My Life?“ (Alternativtitel) eine Spur besser in Erinnerung. Je blauäugiger man zusehen kann, desto besser weiß er zu funktionieren. Und ein jüngeres Publikum wird sicherlich besser unterhalten als ein älteres.